Stellt sich während der Diagnostik heraus, dass der Kiefer nicht ausreichend Knochen bietet, um die Implantate zu verankern, muss der Knochen künstlich aufgebaut werden (Augmentation). Experten beziffern die für eine langfristig erfolgreiche Implantation notwendige Mindestbreite des Knochens auf 5 mm und die Mindesthöhe auf 10 mm. Idealerweise ist ein Implantat länger als 8 mm und von mindestens 1-2 mm Knochensubstanz umgeben. Für den Knochenaufbau stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die sich hinsichtlich ihrer Schwierigkeit und ihres Aufwands bei der Durchführung und somit auch hinsichtlich ihrer Kosten unterscheiden. Welche Methode sich in einem konkreten Fall anbietet, hängt von den individuellen Eigenschaften des Patienten ab.
Ist nur wenig Knochenaufbau nötig, können eigene Knochenspäne direkt während der Operation gewonnen und weiterverwendet oder dem Knochen sehr ähnliches Ersatzmaterial eingesetzt werden. Mit Hilfe dieses Materials wird der Knochen gestreckt und eingeheilt, so dass genügend Knochen zur Implantation zur Verfügung steht. Die verwendeten Ersatzmaterialien sind industriell hergestellt und basieren auf Tierknochen, Algen oder Korallen, um eine dem Menschenknochen möglichst ähnliche Zusammensetzung zu gewährleisten.
Ein häufiges Problem ist ein zu schmaler Kiefer, der die Implantate nicht alleine sicher tragen kann. In diesen Fällen ist eine Knochenspreizung die gängige Methode des Knochenaufbaus. Der schmale Kieferknochen wird hierzu gespalten und nach dem Einsatz der Implantate mit eigenen Knochenspänen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt.
Eine ähnliche Technik wird als Distraktionsosteogenese bezeichnet. Hierbei der Kieferknochen jedoch nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten gespalten, diese Methode kommt deshalb bei einem zu niedrigem Kiefer zum Einsatz. Mit einer Spezialschraube werden die beiden Teile dann langsam (ca. 1 mm pro Tag) auseinander gezogen, um genügend Platz und Stabilität für die Implantate zu erzielen. Die Schraube muss mehrere Wochen getragen werden.
Ist der Kiefer für eine Knochenspreizung oder eine Distraktionsosteogenese zu schmal oder zu niedrig, muss ein im Verhältnis größeres Stück Knochen verpflanzt werden. Dieser Knochenblock (je nach benötigter Größe aus dem Unterkiefer oder aus dem Hüftknochen) benötigt längere Zeit zur Einheilung, in der Regel kann nach einigen Monaten die Implantatversorgung fortgesetzt werden. Der Vorteil der Verpflanzung von Eigenknochen besteht in der unübertroffenen Verträglichkeit, die kein Ersatzmaterial bislang imitieren kann.
Ein weiteres bekanntes Verfahren ist der so genannte Sinuslift. Er kommt zum Einsatz, wenn der Oberkiefer zu niedrig ist, um das Implantat sicher tragen zu können. Das Prinzip besteht darin, dass der Kieferhöhlenboden durch Auffüllung von Knochen oder Ersatzmaterial angehoben und so mehr Platz geschaffen wird. Die Anhebung des Kieferhöhenbodens kann entweder von außen (von der Mundhöhle aus) oder von innen (über das Implantatbohrloch) erfolgen. Außergewöhnlich bei dieser Technik ist die Tatsache, dass Knochenaufbau und Implantation entweder gleichzeitig oder aber nacheinander durchgeführt werden können.
Noch in der Erprobung aber mit guten ersten Ergebnissen ist die Anwendung von bestimmten körpereigenen Eiweißkörpern (BMP, Bone Morphogenetic Proteins), die dem Knochenaufbau dienen. Seit ca. 10 Jahren wird ihre Anwendung in Kombination mit Knochenersatzmaterialien und Implantaten untersucht, die Ergebnisse sind viel versprechend, aber noch nicht gesichert. Hier sollten weitere Befunde und natürlich die Zulassung der Eiweiße als medizinisch unbedenklich abgewartet werden. Wenn dies der Fall ist, könnten Knochenverpflanzungen in Zukunft völlig überflüssig werden.
