Liegt ein Zahnverlust eines einzelnen Zahns oder mehrerer Zähne vor, sollte nicht nur aus ästhetischen Gründen über einen möglichst schnellen Zahnersatz nachgedacht werden. Jeder Zahn ist ein wichtiger Teil des gesamten Gebisses, der eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat. Kann er dies nicht mehr, stimmt das Gleichgewicht des Kiefers nicht mehr, Belastungen müssen umverteilt werden, was langfristig zu Schmerzen oder Fehlbildungen des Kiefers führen kann.
Der Einsatz von Zahnimplantaten kann aus verschiedenen Gründen angezeigt sein, die sich hauptsächlich darin unterscheiden, wie viele Zähne ersetzt werden müssen. Unabhängig davon sind vor jeder Behandlung die Voraussetzungen und Gegenanzeigen zu beachten, damit die Behandlung und der Einsatz der Implantate erfolgreich sein können.
Ca. 10-20% aller Patienten, die eine Zahnimplantation vornehmen lassen, beschränken sich auf den Zahnersatz eines einzelnen Zahns, der z.B. bei einem Unfall oder aufgrund bestimmter Zahn(fleisch)erkrankungen wie Parodontose oder Karies verloren gegangen ist. In diesem Fall wird eine Krone auf den Implantatkörper gesetzt, der sich dem individuellen Zahnbild anpasst, rein äußerlich und vom Gefühl des Patienten nicht von den gesunden Nachbarzähnen zu unterscheiden ist und vollkommen fest sitzt. Bei dem Zahnersatz eines einzelnen Zahns durch Implantation sind die Nachbarzähne in keiner Weise von der Behandlung betroffen, bestehende gesunde Zahnsubstanz bleibt erhalten. Die Implantation kann als Sofortimplantation oder Spätimplantation erfolgen. Die gängige Alternative zu einem Einzelzahnimplantat ist die konventionelle Brücke.
Auch größere Lücken können mit Implantaten wieder geschlossen werden. Allerdings müssen hier bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Eine Schließung einer größeren Zahnlücke ist nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus medizinischen Gründen angezeigt, da bei Nichtbehandlung je nach Lokalisation der Lücke langfristig Knochenverlust und Fehlstellungen der übrigen Zähne und des Kiefers die Folge sein können. Und dies ist keineswegs selten. Durchschnittlich fehlen deutschen Bundesbürgern zwischen 35 und 44 Jahren bereits 6-8 Zähne. Bei der Implantatversorgung größerer Lücken können verschiedene Methoden angewendet werden. Zum einen können die ursprünglichen Zähne 1:1 durch Einzelzahnimplantate ersetzt und mit Kronen besetzt werden. Eine andere Möglichkeit ist die implantatgetragene Brücke. Hierbei werden zwei oder mehr Implantate (je nach Größe der Lücke) als eine Art Pfeiler eingesetzt, welche die aufgesetzten Kronen tragen. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass keine gesunden Zähne abgeschliffen werden müssen und die Zahnsubstanz auch hier so weit es geht erhalten bleibt. Bietet sich ein gesunder Zahn als Pfeiler an, kann dieser gemeinsam mit einem Implantat ebenfalls diese Aufgabe übernehmen, in dem Fall spricht man von einer Hybrid-Brücke. Wie viele Zähne ein einzelnes Implantat tragen kann, hängt von den individuellen Eigenschaften des Knochens (z.B. Festigkeit und Dicke) und davon ab, ob das Implantat einen festen oder herausnehmbaren Zahnersatz tragen soll. Ist eine Implantation nicht möglich oder erwünscht, kann als Alternative eine konventionelle Brücke eingesetzt werden (Voraussetzung: die Lücke ist hierfür nicht zu groß) oder eine herausnehmbare Prothese zum Einsatz kommen.
In einigen Fällen ist eine Brücke als Zahnersatz nicht möglich, z.B. wenn eine einseitige oder zweiseitige Freiendsituation vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn keine hinteren Backenzähne mehr vorhanden sind, um als hinterer Pfeiler zu dienen. Bei einer Freiendsituation bietet sich eine Implantatsversorgung an, da als Alternative nur eine herausnehmbare Prothese zur Verfügung steht. Die Vorgehensweise der Implantatversorgung ähnelt der bei der Schließung größerer Lücken.
Auch bei einer insgesamt stark reduzierten Bezahnung bietet sich die Implantatversorgung an, da mit ihrer Hilfe neue Pfeiler entstehen, auf die ein fester Zahnersatz oder eine herausnehmbare Brücke gesetzt werden kann. Die Entscheidung darüber, ob der Zahnersatz fest oder herausnehmbar wird, hängt häufig von der finanziellen Situation und der vorhandenen Knochensubstanz ab.
Der Großteil aller Implantatversorgungen (ca. 60%) betrifft Menschen, die einen Totalersatz benötigen, in Deutschland sind 25% aller Senioren vollständig zahnlos. Durch eine gelungene Implantation kann auch bei einem zahnlosen Kiefer ein fester Zahnersatz ermöglicht werden, was für die Betroffenen ein größeres Wohlbefinden und Selbstbewusstsein bedeutet als eine herausnehmbare Totalprothese. Die Vorteile einer Implantatversorgung bei vollständig zahnlosem Kiefer bestehen in dem hohen und sicheren Halt und darin, dass Geschmack und Genuss unbeeinträchtigt bleiben. In den meisten Fällen werden für eine solche Behandlung im Unterkiefer zwei oder vier, im Oberkiefer vier Implantate eingesetzt, die über eine Stegverbindung miteinander verbunden werden und so eine stabile Basis für den darauf angebrachten festen Zahnersatz bilden. Durch diese hohe Stabilität ist eine relativ schnelle Belastung möglich. Selbstverständlich können auch bei einem Totalverlust der Zähne Implantate als Einzelzahnversorgung eingesetzt werden, was jedoch sehr teuer ist oder der Kiefer wird wie eine Anhäufung mehrerer größerer Lücken behandelt und dementsprechend mindestens 6-8 Implantate eingesetzt. Welche Implantatlösung zu bevorzugen ist, hängt vom Einzelfall ab. Ist eine Implantatversorgung bei einem vollständig zahnlosen Kiefer nicht möglich, bleibt als Alternative die herausnehmbare Vollprothese.
